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Ukraine: Kultur- und Bildungspolitik

23.08.2018 - Artikel

Bildung

Das ukrainische Schul- und Hochschulsystem steht weiter unter starkem Reformdruck im Hinblick auf Korruptionsbekämpfung, Modernisierung und Internationalisierung. Im Hochschulbereich wurden einige Reformen umgesetzt und rechtlich eingerahmt. Im Schulbereich war die Einführung einer verpflichtenden Fremdsprache ab der 1. Klasse seit dem Schuljahr 2012/13 und ab dem Schuljahr 2013/14 die einer zweiten verpflichtenden Fremdsprache ab Klasse 5 ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Fremdsprachenkompetenz und damit auch des deutschen Sprachunterrichts im ukrainischen Schulsystem.

Das im Herbst 2017 verabschiedete neue Bildungsgesetz soll die ukrainische Schullandschaft weiter  modernisieren.

Das Gesetz wurde allerdings auch international kontrovers diskutiert sowie einer Prüfung der Venedig-Kommission unterzogen, da es vorsieht, die ukrainische Sprache in allen Teilen des Landes im Schulunterricht zu stärken. Kritiker sehen hierin eine Einschränkung der bestehenden Regelungen zu Minderheitensprachen im Unterricht.

Die Ukraine ist Teil des Bologna-Prozesses und das Bildungsministerium verfolgt eine Qualitätsoffensive, um die gesetzten Reformziele zu erreichen. Zentrale Probleme im Hochschulbereich bleiben neben der mangelnden finanziellen Ausstattung der Institutionen, die große Zahl höherer Bildungseinrichtungen mit geringer Vernetzung und schwacher Qualitätssicherung sowie die Korruption. Durch die instabile Lage im Osten der Ukraine und die Annexion der Krim wurden einige Hochschulen an andere Standorte verlagert. Zahlreiche Studenten haben ihre seinerzeitigen Studienorte verlassen, Ausstattung und Unterrichtsmaterialien konnten nicht im gleichen Umfang bewegt werden. Hierdurch stehen Universitäten im ganzen Land unter teils erheblichem Anpassungsdruck.

Da die Gehälter im Bildungsbereich oft nicht zur Deckung der Lebenshaltungskosten reichen, geben viele qualifizierte Lehrkräfte ihren Beruf auf. Auf allen Ebenen des Bildungssystems fehlt es daher an qualifiziertem Lehrpersonal.

Die Ukraine liegt bei der Zahl der Deutschlerner an fünfter Stelle weltweit. Vor diesem Hintergrund veranstalteten das Auswärtige Amt und das Außenministerium der Ukraine gemeinsam mit dem Goethe-Institut, dem ukrainischen Bildungsministerium und weiteren Partnern von September 2017 bis zum Sommer 2018 das Deutsch-Ukrainische Sprachenjahr. Zielsetzung war es einerseits, die gute Stellung von Deutsch als Fremdsprache in der Ukraine zu behaupten und nach Möglichkeit auszubauen sowie insgesamt für Mehrsprachigkeit in Europa zu werben und andererseits die ukrainische Sprache in Deutschland bekannter zu machen.

Mit der Eröffnung der Deutschen Schule Kiew (DSK) im September 2008 konnte das schulische Angebot für deutschsprachige Kinder weiter ausgebaut werden. Die DSK bietet im Schuljahr 2017/2018 Unterricht in den Klassenstufen 1 bis 10 an und ermöglicht darüber hinaus , das deutsche Abitur zu erwerben. Der deutsche Kindergarten in Kiew betreut inzwischen mehr als 60 Kinder aus Deutschland, der Ukraine und anderen Ländern.

In der Ukraine gibt es 42 Schulen, die dem weltweiten Netzwerk „PASCH – Schulen: Partner der Zukunft“ angehören.

Sprachpolitik

Ukrainisch ist einzige Staatssprache. Seit der Aufhebung des aus dem Jahr 2012 stammenden Sprachengesetzes durch das Verfassungsgericht im März 2018 fehlt eine gesetzliche Grundlage zur Regelung des Status von Regional- und Minderheitensprachen in der Ukraine (neben Russisch, v.a. Rumänisch, Ungarisch, Krimtatarisch). Im Parlament sind mehrere Initiativen zur Neuregelung der Sprachenfrage anhängig.

Der ukrainischsprachige Unterrichtsanteil an Schulen und Hochschulen hat in den letzten Jahren mehr als 85 Prozent erreicht, während Russisch als Verkehrssprache nach wie vor sehr verbreitet ist. Verallgemeinernd gesagt ist der Westen des Landes eher ukrainischsprachig, der Osten und Süden eher russischsprachig geprägt, wobei bei fast allen Bürgern Kenntnisse beider Sprachen vorhanden sind. Umfragen und Studien deuten darauf hin, dass die Nutzung des Ukrainischen in allen Landesteilen zunimmt. Dies wird auch durch Vorschriften von Mindestquoten für Ukrainisch in Radio und Fernsehen gefördert.

Kultur

Der Sektor nicht-staatlich geförderter Kultur (private Theater, Tanz- und Musikfestivals, Kino und vieles mehr) zeigt sich in der Ukraine sehr aktiv. Besonders seit den politischen Umwälzungen in der Ukraine 2013/2014 sind zivilgesellschaftliche Organisationen zu wichtigen Akteuren mit großen Gestaltungsmöglichkeiten geworden.

Mittlerweile verfügt die Ukraine über zwei große internationale Filmfestivals: das traditionsreiche „Molodist“-Filmfest in Kiew (seit 2018 jeweils im Frühjahr) sowie das Filmfestival in Odessa im Juli. Zahlreiche kleinere Festivals zu besonderen Themen haben sich ebenfalls etabliert, zum Beispiel die „DocuDays“ mit Menschenrechts-Schwerpunkt.

Die ukrainische und ukrainischsprachige Literatur entwickelt sich dynamisch, was sich auch zunehmend in deutschen Übersetzungen widerspiegelt. In den letzten Jahren wurden auch in Deutschland Autoren wie Andrej Kurkow, Jurij Andruchowytsch, aber auch Schriftsteller der jüngeren Generation wie Serhij Zhadan, Taras Prochasko, Oxana Sabushko und Tanja Maljartschuk zunehmend bekannt.  Auf der Buchmesse Arsenal in Kiew  gab es 2018 einen großen gemeinsamen Stand der Frankfurter Buchmesse, des Goethe-Instituts und des Auswärtigem Amts. Eine weitere wichtige Buchmesse des Landes findet in Lemberg statt; zudem existieren zahlreiche Literatur- und Poesiefestivals – darunter das Meridian-Festival in Czernowitz, das auch deutschsprachige Lyrik behandelt.

Die Ukraine verfügt über eine vielfältige Musikszene, die gerade im Bereich zeitgenössischer Musik auch durch internationale Festivals (insbesondere in Odessa, Lemberg und Kiew) auf sich aufmerksam macht. 

Wichtiges Element der kulturellen Verbindungen zwischen Deutschland und der Ukraine sind die zivilgesellschaftlichen Beziehungen. Zahlreiche aktive Städtepartnerschaften fördern den Austausch mit einem breiten Spektrum an Angeboten.  Derzeit gibt es laut „Engagement Global“ 37 offizielle Städtepartnerschaften, 6 Projektpartnerschaften und 9 Fälle intensivierter Kontakte zwischen deutschen und ukrainischen Kommunen.

Deutschland fördert den zivilgesellschaftlichen Austausch mit der Ukraine, den übrigen Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland seit 2014 mit einem eigenen Förderprogramm.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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