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Ansprache anlässlich des Volkstrauertages am 18. November 2018 auf dem Friedhof Wita Poschtowa

19.11.2018 - Artikel
Volkstrauertag 2018
Volkstrauertag 2018© Deutsche Botschaft Kiew

Sehr geehrte Kollegen,

sehr geehrter Herr Pfarrer Lasi,

sehr geehrter Herr Pfarrer Don Egidio Montanari

der Volkstrauertag liegt in diesem Jahr eine Woche nach dem 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkriegs. In dessen Völkerschlachten starben innerhalb von nur vier Jahren 17 Millionen Menschen. Vergangenes Wochenende wurde dieses Jahrestags in großen, ergreifenden Feiern gedacht, insbesondere in Paris.

Die Zahl von 17 Millionen Menschen ist so unfassbar groß, dass wir nicht in der Lage sind, uns die damals sinnlos Gestorbenen als einzelne Menschen vorzustellen. Doch das waren sie, jeder einzelne mit seiner Lebensgeschichte, ob kurz oder lang, seinen Hoffnungen, seinen Familienangehörigen und Freunden.

1918 nicht das Ende der europäischen Kriegskatastrophen. Sondern es legte die Saat für eine noch größere Katastrophe, ein noch größeres Verbrechen an der Menschheit. Aus jener Zeit, dem Zweiten Weltkrieg, liegen hier allein mehr als 26.000 deutsche Soldaten. Und nicht weit entfernt von hier, in Babyn Jar, liegen Opfer des Holocaust. Die Shoah ist eine zusätzliche Dimension von Leid und von Schuld, und zwar einer spezifisch deutschen Schuld. Die Erinnerung daran, und die Verantwortung, die daraus folgt, ist ein Teil deutschen Bewusstseins, und sie muss es immer bleiben.

Am Volkstrauertag schauen wir zurück auf die Schrecken des Kriegs. Er ist ein Tag des Gedenkens und der stillen Einkehr. Aber eine Erleichterung, einen Trost gibt es dabei: Dass wir heute, als Europäer und darüber hinaus gemeinsam, versöhnt und als Freunde der Opfer des Kriegs gedenken.

Am Volkstrauertag haben wir aber auch Grund, in die Gegenwart und die Zukunft zu blicken. Wir befinden uns in einem Land, in dem hier und heute Krieg geführt wird, Menschen sterben. Dieser Krieg dauert bereits länger als der Erste Weltkrieg. Und es liegt auch an uns, zu tun, was in unserer Macht steht, um dieses Leid zu beenden.

Ich möchte Ihnen herzlich danken, dass Sie heute zu dieser Feier gekommen sind. Und ich möchte Sie nun bitten, in einer Schweigeminute der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zu gedenken.


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