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Ansprache von Botschafter Dr. Ernst Reichel anlässlich des Empfangs zum Tag der Deutschen Einheit 2018 am 4. Oktober 2018

10.10.2018 - Artikel

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde,

meiner Frau und mir ist es eine Freude, dass Sie heute unserer Einladung zum Tag der Deutschen Einheit gefolgt sind.

Dieser Feiertag erinnert uns daran, dass Menschen sich auch gegen große Widerstände eine Zukunft in Freiheit erstreiten können. Diese Erfahrung eint uns, Deutsche und Ukrainer. An der Mauer, in Berlin und quer durch Deutschland, wurden Menschen erschossen, die Freiheit suchten. Und hier in Kiew mussten mehr als 100 Menschen mit dem Leben dafür bezahlen, dass sie für eine Ukraine als Teil der europäischen Wertegemeinschaft eintraten.

Wir Deutsche mussten nach der Wiedervereinigung große Anstrengungen unternehmen, um zueinander zu finden und wirkliche Einheit im Lande zu schaffen – diese Arbeit ist auch nach nunmehr 28 Jahren noch nicht wirklich zu Ende.

Die Revolution der Würde war und ist eine historische Errungenschaft, und zugleich eine enorme politische Chance für dieses Land. Sie wurde in ganz Europa begeistert aufgenommen. Aber sie ist erst erfolgreich, wenn die Reformen in diesem Land unumkehrbar sind und sich ohne Druck von außen vollenden. Die Chance des Euromaidan gilt es zu ergreifen und zu verteidigen – das wäre mein Wunsch als jemand, der an dem, was hier passiert, großen Anteil nimmt. Es wäre tragisch, wenn diese zweite Revolution dasselbe Schicksal erleiden würde wie die Orangene Revolution, die seinerzeit ebenfalls viele Hoffnungen weckte.

Sowohl in Deutschland als auch in der Ukraine ist es deshalb von größter Bedeutung, gegen Versuchungen wie Populismus und Extremismus, wie auch gegen ein verbreitetes Gefühl zynischer Enttäuschung anzukämpfen. Das gilt auch und gerade in Wahlkampfzeiten.

Meine Damen und Herren,

eines ist sicher: Deutschland steht in den schweren Zeiten, die die Ukraine durchlebt, als Freund an Ihrer Seite. Wir hatten großen Anteil an der Herstellung internationaler Geschlossenheit zu den Sanktionen gegen Russland, und arbeiten daran, diese aufrecht zu erhalten. Deswegen beglückwünsche ich die Ukrainer heute zur Verlängerung der Gültigkeit des Sonderstatusgesetzes. Mehr als die meisten Staaten engagieren wir uns nicht nur mit Worten, sondern außerdem durch konkretes Handeln für die wirtschaftliche Entwicklung der Ukraine, für ein besseres Leben ihrer Bürger, für eine freie und ungefährdete Zivilgesellschaft, und einen Staat und eine Gesellschaft nach europäischem Modell. Und zwar, weil wir wissen, dass die Menschen sich wünschen, in einem solchen Land zu leben.

Dass Deutschland seit 2014 gut eine Milliarde Euro für die Ukraine zur Verfügung gestellt hat, ist ein Beispiel hierfür. Hinzu kommen die 500 Millionen Euro an vergünstigten Krediten, die Bundeskanzlerin Merkel 2014 zusätzlich bereitgestellt hat. Und von jedem Euro, den die EU in der Ukraine ausgibt, stammen mehr als 20 Cents von deutschen Steuerzahlern.

Dass die gesamte Bundesregierung, nicht zuletzt Bundeskanzlerin Merkel persönlich, seit 2014 sehr viel Zeit und Energie in den Versuch einer diplomatischen Lösung für den Donbass investiert hat, ist ein weiteres Beispiel. Es gibt wohl weltweit kein Staatsoberhaupt, das öfter Berlin besucht und öfter dort die Bundeskanzlerin getroffen hat, als Präsident Poroschenko. Nächsten Monat wird die Bundeskanzlerin hier in Kiew sein.

Ich nenne diese Beispiele, damit sie konkreter verstehen, was es für Deutschland heißt, ein Freund der Ukraine zu sein.

Zum Schluss möchte ich mich bedanken. Bei meinen Kollegen an der Botschaft und am Generalkonsulat Donezk, und bei unseren Honorarkonsuln. Bei meinen Kollegen Botschaftern, mit denen mich eine hervorragende und herzliche Zusammenarbeit verbindet. Und bei all jenen Menschen hier in der Ukraine, deren Energie, Leidenschaft und Kollegialität mich inspiriert und beeindruckt.

Und schließlich danke ich sehr unseren Sponsoren, Container Terminal Odessa sowie Volkswagen Ukraine und Audi Ukraine, ich glaube, Sie haben die Autos am Eingang gesehen..

Falls Sie ein Glas in der Hand haben, möchte ich Sie bitten, mit mir auf die Zukunft der Ukraine zu trinken. Zum Wohl!

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